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Verbleib eines Kindes bei einer Pflegeperson

Nr. 99013009088000

Nicht jedes Kind wchst bei seinen leiblichen Eltern oder bei einem leiblichen Elternteil auf. Vernachlssigung, husliche Gewalt oder eine gravierende Erkrankung eines Elternteils knnen Bedingungen sein, die das Wohl des Kindes stark einschrnken. Unter bestimmten Voraussetzungen kann ein Kind dann bei einer Pflegeperson oder einer Pflegefamilie untergebracht werden. Hufig kommt es auch dadurch zur Familienpflege, dass Eltern ihr Kind fr unbestimmte Zeit in die Obhut von Verwandten, etwa den Groeltern, geben.

Als Pflegeperson helfen Sie, fr das Wohl des Ihnen anvertrauten Kindes zu sorgen und dieses zu strken. Wenn sich die Bedingungen in der Herkunftsfamilie Ihres Pflegekindes nicht verbessern oder auch sonst im Einvernehmen mit den Eltern, kann das Kind auch auf Dauer bei Ihnen bleiben. Sollten die Eltern damit nicht (mehr) einverstanden sein, knnen Sie beim Familiengericht eine Verbleibensanordnung beantragen. Das Familiengericht ordnet den Verbleib bei der Pflegeperson an, wenn und solange das Kindeswohl durch die Wegnahme von der Pflegeperson gefhrdet wrde.

Liegen die Voraussetzungen fr den Erlass einer Verbleibensanordnung auf Dauer vor, so hat das Gericht bei seiner Entscheidung als Teil des Kindeswohls auch das Bedrfnis des Kindes nach kontinuierlichen und stabilen Lebensverhltnissen zu bercksichtigen.

Sofern ein dringendes Bedrfnis fr eine sofortige gerichtliche Regelung besteht und eine abschlieende Entscheidung noch nicht mglich ist, kann das Gericht dies auch als vorlufige Manahme im Wege der einstweiligen Anordnung beschlieen.

Beachten Sie, dass die Rechte der Eltern des Kindes einen hohen Stellenwert haben. Deshalb haben diese auch in der Zeit, in der das Kind nicht von ihnen betreut wird, einen Anspruch auf Beratung und Untersttzung sowie Frderung der Beziehung zu ihrem Kind. Ziel ist es, die Bedingungen in der Herkunftsfamilie so zu verbessern, dass die Eltern das Kind wieder selbst erziehen knnen, oder zumindest ihre Beziehung zu dem Kind und das Verstndnis fr das Kind so zu frdern, dass einvernehmlich eine andere, dem Kindeswohl entsprechende und auf Dauer angelegte Lebensperspektive entwickelt werden kann. Soweit der Umgang dem Kindeswohl entspricht, gilt das Recht und die Pflicht der Eltern zum Umgang mit ihrem Kind auch dann, wenn es bei einer Pflegeperson lebt.

Grundlage der gerichtlichen Entscheidung ist das sogenannte "Kindeswohlprinzip". Die Entscheidung richtet sich also nicht nach den subjektiven Wnschen der Eltern oder Pflegeperson. Vielmehr muss sichergestellt sein, dass eine Wegnahme des Kindes von der Pflegefamilie durch die Eltern nur erfolgt, wenn dadurch dem Kind durch einen Beziehungsabbruch kein Schaden zugefgt wird.

An wen muss ich mich wenden?

Rechtsgrundlage

Verfahrensablauf

  • Sie als Pflegeperson beantragen beim Familiengericht den Verbleib des Kindes in Ihrer Familie.
  • Das Gericht bersendet den Antrag an die Eltern und das Jugendamt zur Kenntnis sowie Stellungnahme. Ferner bestellt es fr das Kind einen Verfahrensbeistand ("Anwalt oder Anwltin des Kindes"), welcher im Verfahren das Kind untersttzt und seine Interessen vertritt.
  • Das Gericht hrt das Kind im Beisein seines Verfahrensbeistandes an und verschafft sich einen persnlichen Eindruck vom Kind. Zudem fhrt das Gericht zeitnah einen Errterungstermin durch. In dem Termin werden die Eltern und die Pflegeperson persnlich angehrt und das Jugendamt und der Verfahrensbeistand nehmen Stellung. Es wird auch errtert, welche Hilfen gegebenenfalls erforderlich sind und ob eine einvernehmliche Regelung gefunden werden kann.
  • Soweit fr die Entscheidung erforderlich, findet eine weitergehende Sachverhaltsermittlung etwa durch Befragung weiterer Personen oder durch die Einholung von Ausknften oder eines Sachverstndigengutachtens statt.
  • Das Familiengericht entscheidet durch Beschluss ber einen Verbleib des Kindes in der Pflegefamilie.
  • Bis zur abschlieenden Entscheidung kann das Gericht aufgrund eines sofortigen gerichtlichen Regelungsbedarfs eine vorlufige Manahme – insbesondere einen vorlufigen Verbleib des Kindes bei seiner Pflegeperson – im Wege der einstweiligen Anordnung treffen.

Voraussetzungen

Sie haben ein Kind bei sich aufgenommen und mchten den Verbleib des Kindes in Ihrer Familie beantragen. Fr die begehrte gerichtliche Entscheidung mssen folgende Kriterien erfllt sein:

  • Das Kind muss bereits seit lngerer Zeit in Ihrer Familie leben. Ob dies der Fall ist, wird einzelfallbezogen, unter anderem unter Bercksichtigung des Kindesalters beurteilt,
  • die Eltern wollen das Kind von Ihnen wegnehmen und
  • die Wegnahme aus der Pflegefamilie durch die Eltern wrde das Wohlergehen des Kindes gefhrden.

Mchten Sie, dass das Kind auf Dauer in Ihrer Familie verbleibt, mssen fr eine solche Gerichtsentscheidung darber hinaus folgende Kriterien erfllt sein:

  • Die Eltern haben ihre Erziehungsverhltnisse nicht nachhaltig verbessert,
  • sehr wahrscheinlich wird es auch in Zukunft nicht zu einer Verbesserung der Erziehungsverhltnisse der Eltern kommen und
  • der dauerhafte Verbleib des Kindes in Ihrer Familie ist zu seinem Wohl erforderlich.

Beachten Sie: Entscheidend fr die Beurteilung Ihres Antrags ist das sogenannte "Kindeswohlprinzip". Dabei werden besonders das Alter des Kindes, seine Beziehungen und Bindungen zum Zeitpunkt der Entscheidung und seine Vorgeschichte einbezogen.

Welche Unterlagen werden bentigt?

Es sind keine Unterlagen erforderlich.

Welche Gebhren fallen an?

Zu Lasten der Pflegeperson knnen Gerichtskosten und – etwa bei anwaltlicher Vertretung - auch auergerichtliche Kosten anfallen. Eine Gerichtskostenpflicht der Pflegeperson tritt nur ein, wenn das Gericht der Pflegeperson die Gerichtskosten ganz oder teilweise auferlegt. Sofern die gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen, wird Ihnen auf Antrag Verfahrenskostenhilfe gewhrt.

Welche Fristen muss ich beachten?

Sie mssen keine Fristen beachten.

Bearbeitungsdauer

Die Bearbeitungsdauer ist vom Einzelfall abhngig. Der gerichtliche Errterungstermin soll sptestens binnen eines Monats seit Einleitung des Verfahrens durchgefhrt werden.

Rechtsbehelf

Es gibt das Rechtsmittel der Beschwerde gem 58 ff. FamFG. Die Beschwerdefrist betrgt 1 Monat, bei Beschwerden gegen einstweilige Anordnungen 2 Wochen.

Antrge / Formulare

Formulare: keine
Onlineverfahren mglich: nein
Schriftform erforderlich: ja
Persnliches Erscheinen ntig: ja

Fachlich freigegeben durch

Bundesministerium der Justiz und fr Verbraucherschutz

Fachlich freigegeben am

11.11.2021

Siehe auch

  • Verbleiben eines Kindes bei Pflegeperson
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